Vollendung bei Gott - Totensonntag 22.11.2020

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Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Ist es der Ewigkeitssonntag oder der Totensonntag? Die Kirchengemeinden Dobel und Neusatz-Rotensol gedenken an diesem letzten Sonntag des Kirchenjahres ihrer Verstorbenen in allen drei Kirchen. Dazu laden wir die Hinterbliebenen ein.

 

Da ist die Frage, ob es Ewigkeitssonntag oder Totensonntag ist, zweitrangig. Die christliche Tradition fragt nach dem Ergehen der Toten mit Blick auf die Ewigkeit Gottes. Unverweslich, herrlich, kraftvoll - so wird es sein, wenn die Toten auferstehen, meint der Apostel Paulus.

 

Am Totensonntag nehmen wir die Trauer ernst und auch das eigene Ende in den Blick:

 

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

 

... bittet oder mahnt im Wochenspruch das Psalmwort (90,12). Klug, aber nicht ängstlich. Denn der auferstandene Jesus ist uns vorausgegangen, deshalb singen wir den alten Choral "Jesus, meine Zuversicht".

"Jesus, meine Zuversicht" (Evangelisches Gesangbuch 526,1+2)

Wir beten:

Du Gott der Hoffnung, in diesen grauen und dunklen Tagen wird uns besonders bewusst, wenn wir einen lieben Menschen verloren haben. Dieser Mensch fehlt uns in der Familie und in der Gemeinde.


Namen verlesen, Kerzen anzünden

 

Sei du, unser Gott, bei uns, dass die Trauer uns nicht auf Dauer beherrscht.

Wie wir jetzt angesichts des Todes vereint vor dir stehen, so lass uns auch im Leben zusammenstehen. Räume weg, was uns scheidet und trennt. Was uns aber eint, das mache in dieser Stunde lebendig: die Hoffnung auf Jesus, deinen Sohn, damit wir mit ihm den Tod überwinden und leben in Ewigkeit. Höre, was wir in der Stille vor dich bringen.

 

Stille

 

Ewiger Gott, dein Sohn hat dem Tod die Macht genommen. Er ist unsere Hoffnung.

 

Amen

"Jesus, meine Zuversicht" (EG 526,4+5)

Unverweslich, herrlich, kraftvoll

Dass sie nach dem Tod wieder mit allen ihren Lieben vereint sein werden, das – liebe Gemeinde – erhofften sich die alten Leute in der Bibelstunde des Altenheims. Eine genaue Vorstellung, wie das aussehen kann oder wie das gehen soll, hatten sie wahrscheinlich nicht. Auch bei Trauergesprächen höre ich immer wieder von der Hoffnung, dass die Trennung von Partnern, Eltern, gelegentlich auch von den Kindern, die der Tod bedeutet, … dass diese Trennung einmal aufgehoben sein wird. Nun ist sie, ist er wieder zusammen mit … und dann folgt ein Name, folgen mehrere Namen.

 

Dass der Tod eine Erlösung ist, höre ich oft bei Trauergesprächen, eine Erlösung von Schmerzen und Beeinträchtigungen durch eine schwere Krankheit. Ich weise dann darauf hin, dass der Tod eigentlich nur eine Erlösung sein kann, wenn man auch einen Erlöser, wenn man hier Gott am Werk sieht. Sonst ist der Tod einfach ein Ende.

 

Einige von Ihnen haben im vergangenen Kirchenjahr eine lieben Menschen verloren, und stellen sich solche Fragen, äußern ein solches Verständnis.

 

Der Predigttext für diesen Sonntag weist unsere Gedanken in eine andere Richtung. Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth:

 

35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. …
42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. (1. Kor 15)

 

Wieso weist Paulus in eine andere Richtung? Nun: Paulus denkt nicht an ein Wiedersehen im Himmel. Er spricht von der "Auferstehung der Toten". Die Frage für ihn ist gar nicht, ob die Toten auferstehen – das scheint für ausgemacht zu sein. Er erläutert vielmehr, wie man sich das vorstellen kann. Ich lade Sie ein, mit in diese andere Richtung zu schauen; so können wir auch einen anderen Blick auf den Tod unserer Angehörigen … und auch unseren eigenen bekommen.

 

Die Auferstehung der Toten, von der wir bei Paulus und auch in anderen Abschnitten des Neuen Testaments lesen, steht am Ende der Zeit, am Ende der Welt. Bis dahin bleiben die Toten tot, bleiben sie in den Gräbern. Dann aber, am Ende der Zeit, an Gottes Tag werden die Gräber aufgehen und die Toten auferstehen. Dann, aber auch erst dann, ist alles vorbei, für die dann Lebenden wie für diejenigen, die bis dahin gestorben sind. Niemand weiß, wann das sein wird, aber irgendwann ist alles vorbei, dann endet die Welt, wie wir sie kennen. Es geht auf der Welt nicht endlos so weiter, wie es ist.

 

Diese Vorstellung kann tröstlich sein für Menschen, denen es schlecht geht, die in diesem Leben seufzen, die an und in dieser Welt leiden. Wem es gut geht, dem macht diese Vorstellung eher Unbehagen.

 

Und auf die Frage:

 

Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen?

 

… antwortet Paulus nicht mit einer phantasievollen Beschreibung. Stattdessen macht er deutlich, dass die "Leiber" nach der Auferstehung komplett anders … ja was: aussehen (?) … werden. Wir werden nicht – so verstehe ich das – mit allen unseren Lieben wir früher an der Kaffeetafel vereint sein. Nein, es wird ganz anders sein.

 

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.

 

Nicht die Fortsetzung dessen, was wir kennen, verkündigt Paulus. (Böse Zungen fragen ja auch, ob wir möglicherweise nicht nur alle unsere Lieben, sondern auch alle anderen wiedersehen werden …) Nicht die Fortsetzung des Bekannten, sondern das ganz Andere, das viel Bessere, die Vollendung, die Vollendung bei und durch Gott – das alles verkündigt Paulus. Unverweslich, herrlich, kraftvoll. So hat Gott die Menschen geschaffen, meint Paulus. Und so werden sie sein, wenn die Welt zum Ende gekommen ist. Haltet euch nicht mit dem Bekannten auf, sagt Paulus, denkt an das, was Gott neu schaffen will.

 

Und um diese Behauptung zu belegen, weist er hin auf Jesus Christus. Der ist

 

… auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. (1Kor 15,20)

 

Das Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fällt, kennen wir ja auch aus dem Johannes-Evangelium; dort ist es auf Jesus bezogen. Das Weizenkorn als solches stirbt, und dabei wird es verwandelt in eine neue Pflanze, bringt es viel Frucht. Jesus ist gestorben und verwandelt auferstanden; ihm, dem Erstling, können und werden all diejenigen nachfolgen, die sein Angebot annehmen.

 

Paulus weist die Gemeinde in eine andere Richtung: Es geht nicht einfach darum, die bisherigen Beziehungen wieder aufzunehmen und auf ewig weiterzuführen – so sehr wir diejenigen vermissen, die von uns gegangen sind. Es geht nicht darum, sie im Tod ohne Schmerz und andere Einschränkungen zu wissen – so sehr wir es ihnen gönnen, wenn wir an die Leidenszeit zurückdenken.

 

Paulus weist darüber hinaus. Denkt nicht zu klein von Gott, mahnt er, bleibt nicht gefangen in dem, was ihr kennt. Paulus verkündigt kein "weiter so" – nur an einem anderen Ort –, Paulus verkündigt das ganz Andere, die Vollendung bei Gott und durch Gott. Paulus verkündigt eben den ganz Anderen: Jesus Christus.

 

Daran sollen wir denken, wenn wir nach dem Verbleib der Toten fragen. Vertrauen wir ihm und hoffen wir auf das ganz Andere, für die Menschen, die von uns gegangen sind, und auch für uns selbst.

 

Amen

"Jesus, meine Zuversicht" (EG 526,7)

Wir beten:

Ewiger Gott, vor dir gedenken wir der Menschen, die wir verloren haben. Wir danken dir für den Segen, den du in ihr Leben gelegt hast. Wir danken dir für alles Gute, das wir mit ihnen erlebt haben.

 

  • Stille

 

Manches hätten wir aber auch gerne anders gemacht. Manches ist zwischen uns stehen geblieben.

 

  • Stille

 

In deine gnädigen Hände befehlen wir alles, was offen geblieben ist, was wir nicht zu Ende gebracht haben, was wir nicht ausgesprochen haben. Dich bitten wir um Vergebung für alles Unrecht, das wir einander angetan haben. Wir rufen:

 

Herr, erbarme dich.

 

Wir denken an die vielen Menschen, die durch Gewalt und Unrecht umgekommen sind. Wir kennen ihre Namen nicht, wir wissen nichts von ihrem Leben, nur Bilder haben wir von manchen gesehen. Herr, behalte du die Opfer in Erinnerung. Den Täterinnen und Tätern mache Umkehr möglich. Richte du diejenigen, die an ihnen schuldig geworden sind.

 

Herr, erbarme dich.

 

Gott, wir denken an unser eigenes Ende. Wir haben Angst vor Krankheit, vor Schmerz und vor der Einsamkeit. Schenke uns einen gnädigen Tod und nimm uns am Ende mit Ehren an.

 

Herr, erbarme dich.

 

... wir beten weiter, wie Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit zuversichtlich in die kommenden Tage:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

 

Pfr. Matthias Ahrens