Gottesdienst am 3. Advent (13.12.2020)

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Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Gottes langer Atem beschäftigt Prädikant Stefan Kämmerer in der Predigt am 3. Advent. Ein Beispiel ist der lange Atem, den Zacharias und Elisabeth, die Eltern von Johannes dem Täufer benötigen. Warten mit langem Atem – auf das Erscheinen des Heilands und – in diesem Jahr – auf das Ende der Ausnahmesituation.

 

Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig! (Jes 40,3.10)

 

Warten und dabei den Weg bereiten (wie der Wochenspruch sagt) … für das, was kommt, für den der kommt. Das ist die Aufgabe in dieser Adventszeit.

 

Vielen Dank Prädikant Kämmerer, dass er uns seinen Gottesdienst schon vorab zur Verfügung gestellt hat.

"Gott sei Dank durch alle Welt" (Evangelisches Gesangbuch 12,1)

Wir beten:

Herr, unser Gott!

 

In den letzten Monaten, ja fast ein ganzes Jahr lang, lief alles anders, als wir es uns vorgestellt haben.

 

Statt Erfolgen, die wir uns gewünscht haben, wurden uns unsere Grenzen aufgezeigt.

 

Statt Zuversicht quälen uns Gedanken der Angst und Hoffnungslosigkeit.

 

Wir nennen uns Glaubende und auf einmal müssen wir selbst wieder lernen, wie vertrauen geht.

 

So kommen wir nun in der Stille zu dir und schütten unser Herz vor dir aus.

 

Herr, erhöre unser Gebet, denn du bist unsere Zuversicht und Hoffnung!

 

Amen.

"Was der alten Väter Schar" (EG 12,2)

Gott ist gnädig

Zacharias kennt sich aus im Tempel in Jerusalem. Er weiß um die vielen Tausend Pilger, die jedes Jahr nach Jerusalem kommen. Hier im Tempel treffen sie sich und sitzen gemeinsam zu einer Dankesfeier zusammen. Hier diskutieren Schriftgelehrte, die von überall herkommen, über die Auslegung der Heiligen Schriften. Opfer werden dargebracht, betende Menschen überall. Die Priester des Tempels, und besonders der Hohepriester, heben sich durch ihre Kleidung deutlich von den normalen Besuchern ab. Ein Hauch von Würde und Ehrfurcht umgibt sie.

 

Zacharias weiß es, weil er zu ihnen gehört. In regelmäßigen Abständen arbeitet er hier. Das Los legt fest, wer wann zu arbeiten hat, auch die Arbeiten werden durch das Los zugeteilt. Heute liegt es an Zacharias, das Räucheropfer darzubringen. Dazu muss er das eigentliche Tempelgebäude betreten, nur noch ein Vorhang trennt ihn nun vom Allerheiligsten. Zacharias kennt jeden Handgriff, lange ist er schon im Dienst. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, hier auch ein Gebet zu sprechen – nicht nur für die Menschen, die draußen Gottesdienst feiern, sondern auch für Elisabeth und sich selbst.

 

"HERR, unser Gott – wir wünschen uns so sehr ein Kind!", wie oft hat er diesen Satz schon gebetet! Manchmal hat ihn die Trauer dabei übermannt, an anderen Tagen ging er voll Zuversicht wieder hinaus.

 

Aber an diesem Tag ist alles anders. Zacharias schaut auf und erschrickt: Da steht jemand, direkt beim Altar. Er reibt sich die Augen – träumt er am helllichten Tag? Niemand außer ihm wird heute den Tempel betreten. "Hab keine Angst, Zacharias – Gott hat dein Gebet erhört! Deine Frau Elisabeth wird einen Sohn zur Welt bringen. Gebt ihm den Namen Johannes, Gott ist gnädig!" Gabriel, ein Engel Gottes – hier im Tempel!

All das ist schon mehr als neun Monate her, aber es kommt Zacharias vor, als wäre es erst gestern geschehen. Wie kam es dazu?

  

1. Gottes langer Atem

Wie geduldig bin ich? Eigentlich kann man das gar nicht so allgemein fragen. Der eine hat eine Eselsgeduld, wenn es um knifflige Aufgaben geht, die andere vielleicht im Umgang mit ihren Mitmenschen.

 

Die letzten Monate haben von uns allen viel Geduld gefordert – und sie tun es immer noch. Da war dieser Lockdown im März, das ganze öffentliche Leben kam zum Erliegen. Am Anfang haben wir gedacht, das geht bald vorbei. Und heute? Lockdown Light! Denken wir dabei nur an die vollen Advents- und Weihnachtsmärkte, die es in fast jedem Ort gibt. Man kann sich das dieses Jahr gar nicht vorstellen: das Gedränge vor den Imbissbuden und um die Verkaufsstände. Unbeschwerte Verwandtschaftsbesuche, wunderbare Kirchenkonzerte in vollbesetzten Kirchen, eine singende Gemeinde, die den Gottesdienst mit Leben erfüllt.

 

Andere mussten an ganz anderer Stelle Geduld aufbringen: Eingeschränkte Gehälter wegen Kurzarbeit, die ganze Wirtschaft im Krisenmodus, Arbeitsplatzverluste. Im Einzelhandel und auch bei größeren Firmen drohen Insolvenzen und Geschäftsschließungen.

 

Gott ist geduldig – so denken wir, aber wenn uns Geduld abverlangt wird, dann sieht es ganz anders aus. Wie schnell geht uns doch die Puste aus, wenn es nicht so läuft wie geplant. Diese Erfahrung haben viele in diesem Jahr gemacht.

  

Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach:

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils
im Hause seines Dieners David

 – wie er vorzeiten geredet hat
durch den Mund seiner heiligen Propheten –,

dass er uns errettete von unsern Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen,
und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern
und gedächte an seinen heiligen Bund

und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham,
uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang
in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.

Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen.
Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest
und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk
in der Vergebung ihrer Sünden,

durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes,
durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
damit es erscheine denen,
die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes,
und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

2. Gott hält Wort

Aber vielleicht kennen wir auch Menschen, die uns mit ihrem Glauben, Ihrer Geduld und Hoffnung ein Vorbild sind. Kommen Ihnen da Namen in den Sinn, Lebensgeschichten? Vielleicht auch Menschen aus Ihrem direkten Umfeld? Das müssen gar nicht die großen Namen sein, die Geschichte geschrieben haben.

 

Vielleicht sind es die eigenen Eltern oder Großeltern, denen es wichtig war, in der Bibel zu lesen oder vor dem Essen ein Gebet zu sprechen. Oft haben sie abends am Bett der Kinder noch ein Gebet gesprochen und so ihren Glauben gelebt; Menschen, denen man ihr Vertrauen abspüren konnte, auch in schwierigen Zeiten. Vielleicht sind Sie für andere ja auch selbst so ein Vorbild – wer weiß?

 

Gott hält Wort – das Gebet des Zacharias erwähnt, dass schon die Propheten diese Hoffnung auf Rettung verkündeten. Manchmal sind sie gestorben, bevor sie selbst erleben konnten, dass die Hoffnung erfüllt wurde. Aber sie haben mit dazu beigetragen, die Hoffnung weiter zu geben. Und letztlich stehen auch wir in dieser Tradition.

 

Die Bibel spricht von Gottes neuer Welt, ohne Tränen und Leid. Da ist nicht nur die Trauer gemeint oder Krankheit, die wir in unseren Breiten kennen. Sie hat einen weltweiten Blick.

 

Und darum hat weltweite Missionsarbeit nicht nur mit der Weitergabe des Glaubens zu tun, sondern auch mit der praktischen Hilfe vor Ort, mit medizinischen Projekten, dem Aufbau von Schulen, der Hilfe für Hungernde oder konkreter Friedensarbeit.

Nur wenn wir selbst unsren Glauben leben, können wir ihn auch weitergeben.

  

3. Gott ist gnädig – der Name ist Programm

Kommen wir noch einmal zurück zu unserem Bibelabschnitt:

 

Du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest.

 

So beginnt die Weissagung über Johannes. Johannes soll Wegbereiter für die Gnade Gottes sein, für Gottes Sohn, der auf die Erde kommt. Sein Name bedeutet: »Gott ist gnädig!« – und er selbst ist mit seinem Leben ein Wegbereiter der Gnade Gottes.

Und doch spüren wir da eine große Spannung: in unserem Abschnitt begegnet uns ein überglücklicher Vater, und wenn wir die Verse davor noch hinzunehmen, auch eine überglückliche Mutter. Endlich halten sie ihren Sohn in den Händen. Für sie ist Gottes Versprechen damit in Erfüllung gegangen. Zacharias spricht von der großen Aufgabe, die auf Johannes wartet.

 

Johannes soll den Weg bereiten. Er soll Menschen zur Umkehr vorbereiten und es so möglich machen, dass sie Vergebung ihrer Sünden erfahren und damit auch die Barmherzigkeit Gottes. Aber wir wissen auch, welch schwerer Weg auf Johannes gewartet hat. Es ist nicht so, dass die Menschen seiner Zeit nur begeistert gewesen wären, als Johannes auftrat. Er wurde kritisch beobachtet – von den Leuten des Tempels, aber auch von den Anhängern des Herodes. Johannes hat immer wieder Unrecht beim Namen genannt. So kam es dann auch, dass er sich Herodes zum Feind gemacht hat und am Ende seines Lebens von ihm hingerichtet wurde.

 

Doch zuvor, so erfahren wir aus den Evangelien, hat es sich vergewissert, ob Jesus wirklich der versprochene Retter ist.

 

Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?

 

lässt er seine Jünger bei Jesus fragen.

 

Immer in schwierigen Zeiten sind Menschen aufgestanden und haben die Rolle eines Propheten übernommen, ganz unabhängig vom Geschlecht oder Alter. Ja, oft hatten oder haben sie nicht einmal einen christlichen Hintergrund. In unserer Zeit machen sie auf den Hunger in der Welt aufmerksam, sie berichten von Ausbeutung ganzer Bevölkerungsgruppen. Sie weisen auf die Zerstörung der Umwelt hin oder auf die Not von Flüchtlingen. Es geht um die Unterdrückung von Minderheiten, oft auch von Frauen, um Machtgier und Skrupellosigkeit – auch bei uns.

Eine Frage ist für uns wichtig: Sind wir bereit, nicht nur auf ihre mahnende Stimme zu hören, sondern auch für unser Handeln Konsequenzen zu ziehen und unser Verhalten zu ändern?

 

Der Trost unseres Glaubens jedenfalls ist, dass es nicht nur um Umkehr geht, sondern auch um einen Neubeginn, um Hoffnung und Zuversicht, die sich in die Zukunft richten. Gottes Barmherzigkeit, so bekennt Zacharias, scheint allen als Licht, die in der Finsternis und im Schatten des Todes sitzen. Es will uns leuchten auf dem Weg des Friedens. Mit Jesus Christus ist dieses Licht in die Welt gekommen.

 

Gott ist gnädig, daran glauben wir, das ist unsere Hoffnung!

 

Amen.

"Zions Hilf und Abrams Lohn" EG 12,3)

Wir beten:

Herr unser Gott und Vater Jesu Christi, in uns Menschen wohnt die Sehnsucht nach Hoffnung, Freiheit und Gerechtigkeit.

 

Wir wollen dich bitten für alle, die ihre HOFFNUNG verloren haben, denen der Mut geschwunden ist in den letzten Monaten und Wochen. Wir denken dabei besonders an unsere kranken und älteren Mitmenschen. Bei vielen kam zum Teil noch die Einsamkeit hinzu. Schenk ihnen neu Mut und Hoffnung, Glaube und Zuversicht für ihr Leben. Den Kranken stehe bei, tröste alle Trauernden, segne alle, die anderen in ihrer Not beistehen.

 

Wir wollen dich bitten für alle, die ihre FREIHEIT verloren haben. In vielen Ländern haben Diktatoren das Heft des Handelns in die Hand genommen. Aus der Not haben sie eine Tugend gemacht und Freiheitsrechte massiv eingeschränkt. Auch wir haben gespürt wie es ist, wenn Freiheiten verloren gehen. Wir können »Ja« sagen, wenn es dem Schutz des Lebens dient. Aber gib uns Mut aufzustehen, wenn Willkür dahintersteht, wenn Menschen unterdrückt, ausgebeutet und geknechtet werden.

 

Wir wollen dich bitten für alle, die sich nach GERECHTIGKEIT sehnen. Wir denken dabei auch an die vielen Ausgebeuteten und Unterdrückten, denen andere das Leben schwer machen und sich dabei selbst bereichern. Dein Wort lehrt uns, dass das Wohl unseres Nächsten und Mitmenschen uns sehr wohl etwas angeht. Du bist ein Gott der Gerechtigkeit und hast auch die in Not im Blick. Lass uns für Recht und Gerechtigkeit eintreten, weil wir wissen, dass du selbst es bist, der uns gerecht macht und uns seine Gerechtigkeit schenkt.

 

All unsere Anliegen fassen wir nun zusammen in dem Gebet, das Jesus uns selbst gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit zuversichtlich in die kommenden Tage:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Prädikant Stefan Kämmerer