Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis (19. Juli 2020)

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Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Der Wochenspruch deutet schon an, worum es an diesem Sonntag geht:

 

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes 43,1)

 

… nämlich um die Taufe. Schön, dass an diesem Sonntag in Dobel ein Kind getauft wird.

 

Auch in Neusatz wird es im Gottesdienst um die Taufe gehen, aber eben ohne die Anschauung.

 

Übrigens haben wir am vergangenen Sonntag wieder gesungen … mit Mundschutz, und es hat erstaunlich gut geklappt. Deshalb machen wir es heute wieder so.

"Ich bin getauft auf deinen Namen" (Evangelisches Gesangbuch 200,1)

Wir beten:

Lieber himmlischer Vater,

 

du hast uns durch die Taufe neu geboren zu Kindern des Lichtes.

 

Erhalte uns in deiner Wahrheit und lass uns in deinem Licht leben.

 

Du hast uns in der Taufe zu deinem Eigentum erklärt. Lass uns froh und mit Zuversicht unsern Weg gehen, weil uns nichts von deiner Liebe trennen kann, die du uns schenkst in Jesus Christus, deinem lieben Sohn, unserm Herrn.

 

Amen

"Du hast zu deinem Kind und Erben" (EG 200,2)

"… ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"

Der Wochenspruch hat schon das Thema dieses Sonntags angedeutet, auch wenn wir keine Taufe feiern könnten: eben die Taufe:

 

… ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

 

Zu Beginn der Taufhandlung sage ich:

 

In unserer Mitte ist … dann folgt der Name des Kindes …, damit er oder sie unter unserer Fürbitte nach dem Willen unseres Herrn Jesus Christus getauft werde.

 

Das mit der Taufe haben also nicht wir uns ausgedacht, auch nicht irgendwelche Kirchenleute vor uns. Wenn wir taufen, tun wir das im Auftrag Jesu (wir haben ihn vorhin gehört). Als Gemeinde bitten oder beten wir für den Täufling …

 

Taufstein Auferstehungskirche Neusatz

"Herr des Verfahrens" – sozusagen – sind weder die Eltern, wenn ein Kind getauft wird, ist auch nicht die Person, die als Erwachsener getauft wird, oder der Pfarrer. "Herr des Verfahrens" – das ist unser Herr Jesus Christus.

 

Von Jesus haben wir also den Auftrag; aber wie die Taufe aussehen soll, wer getauft wird und wer noch damit zu tun hat – das steht eben nicht in der Bibel. Wie wir Evangelischen in Deutschland taufen, das zeigt viel von unserer Art des Glaubens.

 

Bei uns werden ganz überwiegend Kinder, oft kleine Kinder getauft. Vor der Konfirmation lassen Jugendliche sich gelegentlich taufen. Doch die Erwachsenentaufe ist selten; ich kann mich an keine erinnern. Allerdings höre ich immer wieder Argumente gegen die Kindertaufe:

 

Manche Eltern, auch christliche Eltern sagen: Unser Kind soll sich selbst entscheiden. Wir wollen dem Kind die Freiheit lassen. Aber wie bereiten die Eltern das Kind auf diese Entscheidung vor? Wie sieht die religiöse Erziehung aus? Sprechen die Eltern überhaupt nicht von Religion, gar von ihrem eigenen Glauben, um das Kind nicht zu beeinflussen? Oder stellen sie dem Kind alle Religionen und Weltanschauungen der Erde vor, damit es eine informierte Entscheidung treffen kann? Zumindest als gläubiger Christenmensch werde ich keins von beiden tun. Christliche Eltern leben ihrem Kind den christlichen Glauben doch vor! Und überhaupt: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Entscheidung? Mit 14, mit 18, später, früher?

 

Manche christlichen Gemeinden sagen: Die Taufe setzt ein bewusstes Ja zum christlichen Glauben voraus. Kleine Kinder können das noch nicht sprechen. Deshalb werden in diesen Gemeinden die Erwachsenen getauft. Vorher wird geprüft, ob sie auch den richtigen Glauben haben. Manche Gemeinden erklären die Kindertaufe für ungültig und taufen ein zweites Mal.

 

Wir taufen bewusst Kinder und machen damit deutlich, wie wir die Menschen verstehen und was die Taufe bedeutet:

 

 

Taufstein Friedenskirche Rotensol

Wir taufen – habe ich gesagt – „nach dem Willen unseres Herrn Jesus Christus“. Die Taufe ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Gott sich uns Menschen zuwendet und die Einzelnen annimmt – ohne Voraussetzung, „allein aus Gnade“, wie Martin Luther es mit dem Apostel Paulus betont hat. Nicht weil wir reif dafür sind, nicht weil wir genügend religiöses Wissen haben, nicht weil wir fromm genug sind, nicht weil wir genügend Gutes getan haben. Gott nimmt uns „allein aus Gnade“ an. Deshalb taufen wir auch und vor allem Kinder.

 

Religiöses Wissen, Frömmigkeit und christliches Handeln können und sollen später dazukommen. … aber eben nicht als Voraussetzung für die Taufe, sondern als deren Folge.

 

Und dann ist die Taufe ja überhaupt nötig, weil wir nicht mehr im Paradies leben. Aus der ursprünglichen Gemeinschaft mit Gott wurden Adam und Eva nach ihrem Ungehorsam vertrieben. Seither leben ihre Nachkommen, seither leben alle Menschen – die großen wie die kleinen – fern von Gott, eben „Jenseits von Eden“. Die Taufe ist Gottes Angebot an alle Menschen – die großen wie die kleinen –, die Gemeinschaft mit ihm wiederherzustellen.

 

All das steht im Hintergrund, wenn wir Kinder taufen. Martin Luther hat das in einem Satz zusammengefasst:

 

Ich danke Gott und bin fröhlich, dass ich als Kind getauft bin. Ich habe nun geglaubt oder nicht, so bin ich dennoch auf Gottes Gebot getauft. An der Taufe fehlt nichts; am Glauben fehlt’s immerdar.

 

Noch eins: Auch dass wir im Gottesdienst taufen, gehört zu unserer Art der Taufe. Es sagt: Die frisch Getauften sind in die Gemeinde, in die Gemeinschaft der Christenmenschen aufgenommen. Auch das ist gar nicht selbstverständlich. Wegen der Corona-Vorsorge hat unsere Evangelische Kirche sich bis vor wenigen Wochen für gesonderte Taufgottesdienste ausgesprochen. Vor einigen Jahren wurde ein Kind einer befreundeten katholischen Familie in einer gesonderten Messe im Familienkreis getauft.

Taufstein Dobler Kirche

Wir taufen im Gottesdienst, denn die christliche Gemeinde ist die Gemeinschaft, in die das Kind eintritt. Diese Gemeinschaft reicht weit über die evangelische Kirchengemeinde Dobel hinaus. Schon die Tauffamilie hat evangelische und katholische Mitglieder. Christliche Gemeinden, christliche Kirchen gibt es weltweit. Dem Weltkirchenrat gehören mehr als 300 Kirchen aus allen Erdteilen an. Sie alle bekennen sich – auf ganz unterschiedliche Weisen – zu Jesus Christus; sie alle taufen im Namen des dreieinigen Gottes. Der christliche Glaube, in den wir durch die Taufe eintreten, verbindet uns mit Menschen unterschiedlicher Bekenntnisse in vielen Ländern.

 

Mit vielen Kirchen und Gemeinden verbindet uns das Apostolische Glaubensbekenntnis, das wir vorhin gesprochen haben. Ich weiß, dass es vielen, auch vielen Gemeindegliedern nicht leichtfällt, mit diesen alten Worten "Ich glaube …" zu sagen. Man kann lange über dieses Bekenntnis diskutieren – und das sollten wir in den Gemeinden auch immer wieder tun.

 

Aber eben dieses Bekenntnis verbindet uns mit den anderen christlichen Gemeinden über Raum und Zeit. Was über Raum heißt, habe ich eben gesagt: Christenmenschen auf der ganzen Welt sprechen dieses Bekenntnis trotz vieler anderer Unterschiede.

 

Mit dem Bekenntnis stellen wir uns auch in eine Reihe, in die Gemeinschaft der Christen über viele Jahrhunderte. Wenn wir die alten Worte sagen, nehmen wir Glauben und Zweifel, nehmen wir auch die Erfahrungen und Hoffnungen all derer auf, die uns vorausgegangen sind, hier im Nordschwarzwald und in der ganzen Welt. Das Glaubensbekenntnis verbindet uns mit anderen Christenmenschen über Raum und Zeit. Und wozu das alles? Damit …

 

… alle, die an (Jesus) glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

So hören wir es in der Schriftlesung zur Taufe. Nicht verloren gehen in den Wirren des Lebens. Das ewige Leben ist ein gelingendes Leben auf dieser Erde und für alle Zeit das ist die Hoffnung, dass Gott ganz macht, was hier Bruchstück bleibt, dass wir bei Gott Frieden finden. Diese Hoffnung sagen wir denen zu, die getauft werden; und diese Hoffnung soll uns immer begleiten.

 

Amen

"Mein treuer Gott, auf deiner Seite" (EG 200,4)

Wir beten:

Wir sind getauft auf deinen Namen, gnädiger Gott, Vater und Mutter bist du uns. Du kennst uns. Deine Liebe ist Schutz und Schirm.

Behüte alle, die Gewalt und Hass ausgeliefert sind. Nimm alle Verfolgten unter deinen Schutz, die um ihr Leben fürchten. Wir rufen dich an:

 

Komm mit deinem Segen.

 

Wir sind getauft auf deinen Namen, barmherziger Jesus, Bruder und Freund bist du uns. Du leidest für uns. Deine Gegenwart ist Hilfe und Stärke. Nimm du das Leid auf deine Schulter, das so viele niederdrückt.

Trage du das Leid aller, die keine Hoffnung haben. Heile die Leiden der Kranken. Stärke die Sterbenden auf ihrem letzten Weg. Wir rufen dich an:

 

Komm mit deinem Segen.

 

Wir sind getauft auf deinen Namen, heiliger Geist. Feuer und Leben bist du in uns.

Du heilst und verwandelst uns Deine Kraft ist Trost und Zuversicht. Tröste die Trauernden. Ermutige alle, die sich auf den Weg des Glaubens wagen. Begeistere Menschen für dein Wort. Gib deiner weltweiten Kirche Einheit. Wir rufen dich an:

 

Komm mit deinem Segen.

 

Wir sind getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dein sind wir. Dir vertrauen wir. Auf dich hoffen wir – heute und alle Tage bis ans Ende der Welt.

 

... wir beten weiter, wie Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

"Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue" (EG 200,5)

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit zuversichtlich in die kommenden Tage:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Pfr. Matthias Ahrens