Gottesdienst am Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (7. Juni 2020)

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Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Den einen Gott bekennen wir - und zugleich behaupten wir: dieser eine Gott begegnet uns auf dreierlei Weise. Heute feiern wir Trinitatis, den "Tag der Heiligen Dreifaltigkeit".

 

Und damit wir uns immer daran erinnern, dass Gott uns auf dreierlei Weise begegnet, zählen die Sonntage bis in den November nach diesem Tag: "nach Trinitatis".

 

Die Dreifaltigkeit des einen Gottes ist nicht nur den Muslimen ein Ärgernis. Auch vielen Christenmenschen erscheint sie als überflüssige Spitzfindigkeit von Theologen. Doch immer wieder finden wir in der Bibel Spuren der Dreieinigkeit Gottes, wie im Wochenspruch aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus:

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. (2Kor 13,13)

 

Oder auch im Aaronitischen Segen, dem uns vertrauten Segensspruch, der heute nicht nur am Schluss des Gottesdienstes steht, sondern im Mittelpunkt der Predigt.

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud" (Evangelisches Gesangbuch 503,1)

Wir beten:

Guter Gott,

 

du hast Himmel und Erde erschaffen; deine Herrlichkeit erfüllt das Weltall.

Du bist Mensch geworden unter uns Menschen, du hast in deinem Sohn Jesus Christus unser Leben und Sterben geteilt.

Dein Geist wohnt in uns und hält uns lebendig; deine Liebe, deine Freundlichkeit, dein Erbarmen umfängt unser Leben.

Wir loben und preisen dich, den Dreieinigen, jetzt und in Ewigkeit.

 

Amen

"Die Bäume stehen voller Laub" (EG 503,2)

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Nein, liebe Gemeinde, wir sind noch nicht beim Segen; Sie haben nicht etwa die zweite Hälfte des Gottesdienstes verschlafen. Die Segensworte sind der Predigttext für das heutige Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. Sie sind auch bekannt als der „aaronitische“ Segen, weil es um die eigentlichen Segensworte herum im 6. Kapitel des Numeri-Buchs (oder 4. Mose) heißt:

 

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. (22-27)

 

Segnen, Segen spenden – das heißt also: Gottes Namen auf das Volk Gottes zu legen – auf Israel zuerst, aber auch auf uns, die wir durch Jesus Christus zum Volk Gottes gekommen sind.

 

 

Der Auferstandene segnet

Es laufen ja viele Segensworte um; Büchlein voller Segensworte stehen in den Buchhandlungen, viele Seiten bieten Segenswünsche im Internet. Alle möglichen Segensworte sind im Gebrauch. Manchmal habe ich den Eindruck, dass dabei Segen mit guten Wünschen verwechselt wird. Es ist nichts dabei, anderen Gutes zu wünschen. Das biblische Kriterium für den Segen aber lautet; Gott spricht:

 

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

Gott segnet – wir Menschen, Aaron und auch wir Pfarrer oder Prädikanten sind Ausführende, Instrumente. Deshalb bemühe ich mich, gute Wünsche und Segen auseinander zu halten. In meinen Augen ist es schon schwer genug, persönliche gute Wünsche zu formulieren. Am ehesten fällt mir der Standard ein: „Ich wünsche alles Gute, vor allem Gesundheit“. Auch der andere Spruch ist nicht viel besser: „Ich wünsche dir alles, was du dir selbst wünschst“. Mir fällt es schon schwer genug, persönliche gute Wünsche zu formulieren. Ich vertraue aber darauf, dass Gott weiß, was mir verborgen ist, was der andere Mensch braucht, was ihm gut tut, was er nötig hat. Das spreche ich dem anderen Menschen im Segen zu.

 

Hier und da ist das Bedürfnis nach Segen so groß, dass eigene Segensgottesdienste angeboten werden. Dabei steht der persönliche Segen an die Einzelnen im Vordergrund. Im normalen Gottesdienst – heißt es dann – käme der Segen zu kurz und sei zu unpersönlich.

 

Auch mir liegt daran, den Segen persönlich zuzusprechen – aber das ist ja nichts Besonderes, das muss man nicht hervorheben. Denn der Aaronitische Segen ist persönlich:

 

Der HERR segne dich und behüte dich

 

Die Segensworte richten sich an die Einzelnen – Du, Dich – im Volk Gottes. Allerdings höre ich in manchen Gottesdiensten: „Der Herr segne euch …“. Sogar die Gottesdienstordnung unserer Landeskirche verwendet statt „Dich“ das „Euch“. Wahrscheinlich soll damit die ganze Gottesdienstgemeinde angesprochen werden. Der biblische Segen aber wendet sich an die Einzelnen.

 

Nun sprechen diese Segensworte nicht jede persönliche Situation ausdrücklich an – wie sollten sie auch?! Es liegt an uns selbst, den Segen auf uns, auf unser Leben, unsere Situation zu beziehen. Die drei Teile des Segensworts laden dazu ein, unterschiedliche Aspekte unseres Lebens anzusehen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich

 

Gott hat die Welt nicht nur erschaffen, Gott erhält auch die Welt und seine Geschöpfe. Erhalten und behüten – das meint den Schutz vor Schäden, vor Beeinträchtigungen, die über uns kommen. Wie nötig wir den Schutz haben, zeigt die Corona-Pandemie. Von einem Tag auf den anderen sind Dinge, die uns ganz selbstverständlich waren, weggefallen: die Hand geben, zusammensitzen, in den Gottesdienst gehen, zur Arbeit gehen, verreisen und was nicht noch alles. Wir merken, wie gefährdet das Leben ist, wie sehr wir auf Schutz und Hut – auf Gottes Schutz und Hut angewiesen sind. Der Aaronitische Segen hat das im Blick.

Weiter:

 

der HERR … sei dir gnädig

 

Gottes Gnade haben wir nötig, wo wir selber versagen, wo wir schuldig werden, anderen etwas schuldig bleiben. Ich zumindest habe immer wieder den Eindruck, anderen etwas schuldig zu bleiben, ihnen nicht so zu begegnen, wie es richtig wäre:

  • meinen Kindern
  • meiner Frau
  • meinen Eltern
  • Menschen in der Gemeinde

Da bin ich unduldsamer als nötig. Da nehme ich Gutes als selbstverständlich hin. Da lobe ich zu wenig. Ja, ich habe die Gnade Gottes nötig. Und ich bin sicher, dass es nicht nur mir so geht.

 

der HERR … sei dir gnädig

 

Ich bin erleichtert und dankbar, wenn mir – der ich anderen so viel schuldig bleibe – Gottes Gnade zugesprochen bekomme.

Mose segnet Josua

Und schließlich:

 

der HERR … gebe dir Frieden

 

Vor einigen Jahren wäre die Predigt hier vielleicht friedensbewegt geworden, hätte ich – wie viele meiner Generation – gegen militärische Gewalt und für gewaltfreies Handeln gesprochen. Doch hier und heute liegt mir eine andere Dimension von Frieden am Herzen:

 

In Frieden leben, zufrieden leben, den Frieden geschlossen haben mit Vergangenheit und Gegenwart – das scheint mir ein Geschenk zu sein, das ist nicht selbstverständlich. Wie oft komme ich über Kränkungen – oder auch vermeintliche Kränkungen – nicht hinweg!? Wie gut kenne ich das Gefühl, auf dem Sprung zu leben, das wahre Leben noch vor mir zu haben?! Und selbst wenn Verstand und Erfahrung mich wissen lassen, dass diese Erwartung überzogen ist. Der Frieden des Herzens ist nicht zu erzwingen. „Sei zufrieden!“ – diesen Befehl kann man weder sich selbst noch andern geben.

 

der HERR … gebe dir Frieden

 

Das ist der Zielpunkt des Segens.

 

Es liegt an uns selbst, die Segensworte auf unser Leben, auf unsere Situation zu beziehen. Wenn wir den biblischen Segen auf diese Weise ernst nehmen, dann meint er uns, dann erreicht er uns, dann zielt auf umfassend auf unser persönliches Leben.

 

Die drei Teile des Segens nehmen aber nicht nur unterschiedliche Aspekte unseres Lebens auf; sie weisen auch auf die Vielfalt Gottes hin – am heutigen Sonntag betonen wir: Sie weisen auf die Dreifaltigkeit Gottes hin. Die Dreifaltigkeit des einen Gottes ist nicht nur den Muslimen ein Ärgernis. Auch vielen Christenmenschen erscheint sie als überflüssige Spitzfindigkeit von Theologen. Und tatsächlich lässt sich aus dem Aaronitischen Segen nicht die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes herleiten.

 

Aber der Aaronitische Segen deutet mit seinen drei Teilen doch an, welche Aspekte der eine Gott umfasst:

  • Gott bewahrt und behütet
  • Gott ist dem Sünder gnädig und
  • Gott schenkt Frieden.

Das ist nicht sauber auf die Dreifaltigkeit – auf Vater, Sohn und Heiligen Geist – aufzuteilen. Auf jeden Fall aber kann der Blick auf die drei Teile des Segens uns den Blick öffnen für die Vielfalt Gottes.

 

So können wir dankbar sein, dass Gott uns seinen Segen zusagt, dass Gott seinen Namen auf uns legen lässt, uns behütet, uns gnädig ist und uns Frieden zusagt. Das gilt für uns persönlich, die Einzelnen, wie wir hier zusammensitzen, und umfasst unser ganzes Leben.

 

Amen

"Ich selber kann und mag nicht ruh'n" (EG 503,8)

Wir beten:

Heiliger Geist, du machst lebendig, du Flamme, du Luft, in der alle Gotteskinder atmen. Durch dich wohnt Christus in unseren Herzen. Durch dich ist Gott in der Gemeinde gegenwärtig, du bewirkst neues Lebens in aller Welt, du heilige Unruhe, du tiefer Friede.

 

Wir bitten dich: Erbarme dich der Geschöpfe und wirke dein kraftvolles Werk unter uns. Wir rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott!

 

Herr Jesus Christus, du bist uns als Mensch ganz nahe, du teilst unser Schicksal und kennst unser Leben. Du bist uns nahe als der Sohn des allmächtigen Vaters.

 

Wir bitten dich: Erbarme dich aller, die dich suchen, die nicht wissen, wie nahe du bist. Rufe auch uns bei unserem Namen damit wir dich lieben und anbeten. Wir rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott!

 

Gott unser Schöpfer, du bist der Herr der Geschichte, Kraft in allen Kräften, du richtest alle Werke der Menschen, du bist der Erste und der Letzte.

 

Wir bitten dich: Erbarme dich unser. Gib dein Heil in diese Welt, deine Versöhnung in unsere Feindschaft, heilende Kräfte, wo Menschen sich selber zerstören. Die Bösen und die Guten – vergib ihnen, vergib uns. Lass uns die Gnade der Kindschaft immer neu erfahren und als deine Kinder leben. Wir rufen zu dir:

Erbarme dich, Gott!

 

... wir beten weiter, wie Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

"Hilf mir und segne meinen Geist" (EG 503,13)

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit zuversichtlich in die kommenden Tage:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Pfr. Matthias Ahrens