Gottesdienst am Sonntag Rogate (17. Mai 2020)

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Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Wieder ein Gottesdienst in der Kirche - immer noch in Zeiten der Corona-Pandemie - immer noch mit starken Einschränkungen (z.B. Mund-Nasen-Bedeckung, 2m Abstand, kein Gesang). Können wir in absehbarer Zeit wieder persönlich zusammenkommen? Wollen wir das? Beim "Begegnungskreis am Telefon" gab es unterschiedliche Antworten.

 

Und so lange, wie noch nicht alle, die wollen, auch persönlich in die Kirche kommen mögen, stelle ich Ihnen weiter eine Andacht zur Verfügung, im Internet und auf Papier.

 

Dieser Sonntag heißt traditionell "Rogate" (das heißt: Betet). Die Gottesdienste in Dobel und Neusatz hält Prädikant Bott aus Ottenhausen. Er beginnt mit dem Wochenspruch:


Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66, 20)

 

Und von ihm stammen die Elemente dieser Andacht.

 

Es grüßt alle, die das lesen

Pfr. Matthias Ahrens

Wir beten:

Herr, unser Gott,

lehre uns beten durch deinen Geist.

Allzu oft haben wir deine Gegenwart nicht gesucht,

wenn wir eine Bitte auf dem Herzen hatten.

Allzu wenig haben wir dich gelobt,

den Schöpfer der Welt, den Erlöser von Schuld,
den Vollender der Geschichte.

Rede zu uns. Ordne unser Beten.

Mach uns gewiss, dass wir in deiner Gegenwart leben.

Amen

Lied "Bist zu uns wie ein Vater" (neue Lieder plus 8)

Lehre mich beten!

Liebe Gemeinde!


Ist beten etwas was man lernen und können sollte?

 

Meister Peter hat es jedenfalls gefragt. Sie werden Meister Peter nicht kennen, dafür kennen sie denjenigen den Meister Peter rasiert hat und vielleicht auch mal verarztet hat. Meister Peter war nämlich Barbier in Wittenberg und, nun ahnen sie schon, niemand anderes als sein Kunde Martin Luther wurde so vom Meister Peter gefragt:

 

Wie betet man?

 

Und so entstand aus der Feder von Martin Luther im Jahr 1535 die kleine Schrift: "Wie man beten soll, für Meister Peter den Barbier".

 

Luther hat in dem kleinen Büchlein für Meister Peter in pädagogischer Stufung einen "Lehrgang des Betens" entwickelt. Gerne möchte ich daraus einige Gedanken vortragen.

Doch bevor wir uns damit eingehender befassen soll zuerst auf die eigentliche Quelle des zu Wort kommen, in der Jesu auf das Beten eingeht - unser heutiger Predigttext - Jesu Worte in Matthäus 6, die Verse 5-15:

 

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten:

Unser Vater im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
13 Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

 

Das Vaterunser steht auch für Martin Luther an erster Stelle. Aber das Vaterunser steht nicht allein. Eine ganze Reihe von Texten und Hinweisen gibt es die uns auf eine weite Gebetspraxis hinweisen.

  • Etwa Jesus im Garten Gethsemane oder 40 Tage vor dem öffentlichen Auftreten, die Jesus in der Wüste zugebracht hat.

  • Auch das Alte Testament bietet in den Psalmen eine reiche Gebetspraxis an, die unsere Beachtung verdient. Auch die 10 Gebote können gebetet werden.

Verständlich, dass da die Frage des Barbiers und Freundes an Luther gerichtet ist. Entgegen einem weit verbreiteten protestantischen Vorurteil will Beten gelernt sein. Und so enthält Martin Luthers Schrift für Meister Peter eine Reihe an ganz konkreten Tipps zum Gebet. Und ganz praktisch-pädagogisch aufbereitet für den einfachen Handwerker und Bürger Meister Peter unterteilen sich die Anweisungen in diese Abschnitte.

1.  Warum beten?

Luther nennt drei Gründe: Gott hat geboten zu beten, darüber hinaus hat er verheißen das menschliche Gebet zu erhören und schließlich hat Gott durch Jesus Christus auch die Worte dazu kundgetan – dies haben wir im Predigttext gehört. Luther begreift den Menschen als sündig und ermutigt ihn deshalb, die dadurch entstandene Distanz zu Gott im Gebet zu überwinden.

2.  Wo beten?

Luther nennt zwei Orte an denen das Gebet möglich ist. Das ist einerseits die Kammer und andererseits die Kirche. Als erstes aber ist es die Kammer, also das Gebet im Verborgenen, ohne Störung dritter im Gespräch mit Gott. In der Bergpredigt nennt Jesus die Form öffentlicher Demonstration, die er ablehnt.

In der Kirche nun aber gilt die Gemeinschaft mit anderen Christen. Hier sind nicht nur die Gottesdienstbesucher präsent, sondern es ist die Gemeinschaft aller Christen, die Kraft und Rückhalt geben. Das ist ja auch das schöne und verbindende im Vaterunser, das wahrlich weltweit und konfessionsübergreifend von Christen gemeinsam gebetet wird.

3.  Wann beten?

Zum einen geht Luther davon aus, dass das Gebet einen Rahmen für den Tag bildet. Bekannt sind ja Luthers Morgensegen und Luthers Abendsegen (S. 1202 und S. 1218 im Evangelischen Gesangbuch). Daneben darf man immer im Tageslauf kurze Gebete sprechen.

Wann immer es möglich ist dürfen wir in den Dialog mit Gott treten. Ein gutes Gebet soll nicht lang sein und auch nicht in die Länge gezogen werden. Aber wenn im eigenen Tageslauf ein fester Zeitpunkt gefunden wird, an dem wir für uns beten – für uns heißt ohne Störung von außen – um so besser. Wenn es nottut sprechen wir es an in der Familie und hängen ein Schild an die Tür.

4.  Was beten?

Vielleicht kann man drei mögliche Gebetsformen definieren. Zum einen die vorgegebenen Texte. Sie bezeichnet Luther sozusagen als das Feuerzeug, die das ganze Glaubensleben zum Leuchten bringen und die in das eigene frei formulierte Gebet hineinführen.
Das zweite sind die freien Texte. So sind Loben und Danken und die Führbitte im Hauskreis feste Bestandteile des gemeinsamen Ablaufes. Dazwischen hören wir uns reihum in der Blitzlichtrunde zu, wo jeder Sorgen, Nöte, oder auch schöne Dinge vorbringen kann, die dann im vertrauten Kreis im Gebet vorgebracht werden.
Die dritte Form ist wohl das, was man auch mit Kontemplation, also Gebet ohne Worte, beschreiben kann. Dein himmlischer Vater weiß was du brauchst. Hier ist ein Übergang zwischen Gebet und Meditation, also spiritueller Praxis, erkennbar. Und Luther wünscht sich diese Spiritualität ausdrücklich.
"Sondern ich will das Herz damit anregen und unterrichtet haben, was es für Gedanken im Vaterunser fassen soll. Solche Gedanken aber kann das Herz (wenn´s recht erwärmt und zu beten gierig ist) wohl mit vielen Worten, wohl auch mit weniger Worten aussprechen." So Martin Luther wörtlich zitiert.
Hier haben wir viel verlernt und müssen viel dazu lernen. Es geht um den sehr persönlichen Weg zu Gott, Vater Sohn und Geist.

5.  Wie beten?

Auch auf die äußere Form geht Luther ein. Er nennt das niederknieen oder auch das Stehen mit gefalteten Händen. Aufrechtes achtsames Sitzen ist sicher auch hilfreich und muss eingeübt werden. Jeder darf, soll seine Form finden.

Luther will den Beter in die Freiheit des eigenen Betens hineinführen. In Hinblick auf dieses Ziel ist selbst das hoch geschätzte Vaterunser nur Mittel zum Zweck. Unter allen Umständen soll verhindert werden, dass die Gebetsanleitung wieder im Sinne der Rosenkränze und anderer Gebete mittelalterlicher Frömmigkeit in mechanischer Weise heruntergebetet wird. Erst wenn der Beter die Stimme Gottes zu vernehmen beginnt, hat das Gebet sein Ziel erreicht.

 

Ich möchte uns Mut machen, die eigene Gebetspraxis zu überdenken und gegebenenfalls zu intensivieren. Beten will gelernt sein.

 

Eine bemerkenswerte Geschichte wird noch über Meister Peter erzählt. Er hatte wohl einen Schwiegersohn, einen Soldaten mit Namen Dietrich. Dieser Schwiegersohn hat sich damit gebrüstet Unverwundbar zu sein. Ein rechtes Großmaul muss das gewesen sein. Mann saß zusammen bei Most und Wein und, offenbar angetrunken, hat Meister Peter seinen Schwiegersohn erstochen. Geschehen ist dieses am 27. März 1535 in Wittenberg. Wohl auch wegen Luthers Führsprache wurde Meister Peter mit Verbannung und Einziehung seines Besitzes relativ milde bestraft. Die Schrift von der wir hier sprechen ist vorher erschienen. Trotz der schweren Verfehlung des Barbiers hat Luther die Schrift auch weiterhin mit der Anrede "Lieber Meister Peter" drucken lassen.

 

Damit wird Meister Peter zum Prototyp des Beters, den Luther vor Augen hat. Es ist der Mensch, der so oder so von Gott gerechtfertigt werden muss. Die Widmung für Meister Peter ist ein Hinweis darauf, dass diese Schrift nicht nur für Heilige, sondern für Sünder geschrieben ist. Es ist die Erkenntnis des Sünderseins und gleichzeitig der grundlosen Barmherzigkeit Gottes mit der Luther keine Stufung zwischen Sündern vornimmt. Die in der kleinen Schrift dargestellte Elementarübung des Gebets und der Meditation gilt für Luther selbst, den des Mordes schuldig gewordenen Freund wie für jeden beliebigen Christen. Ein Christ bleibt Sünder und Gerechter zugleich.

 

Amen

Video "Bist zu uns wie ein Vater"

www.youtube.com/watch

Wir beten:

Herr, wir erinnern uns an die Liebe, die du uns durch Jesus Christus zugesagt hast
und bitten dich:

… um Mut; für unser eigenes Leben und für das Leben anderer, das wir schützen sollen.

… um Hoffnung; für uns selbst und für diejenigen, die verzweifelt sind.

… um Glauben; in uns und in denen, die auf der Suche sind.

… um Zeit; für uns für die, die uns wichtig sind.

… um Geduld; mit uns selbst und mit denen, die uns brauchen.

… um Liebe; zu uns selbst und zu anderen, die uns fremd sind.

… um deinen Segen; für uns, deine Geschöpfe und deine Schöpfung.

 

... wir beten weiter, wie eben Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

Empfangt den Segen des Herrn:

Auferstehungskreuz Neusatz

Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen

 

 

Prädikant Gustav Bott (Ottenhausen)