Den Auferstandenen erkennen – fünf Stationen am Ostermontag

Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

War das Grab am Ostermorgen leer? Ja oder nein? Ein Drittes scheint es nicht zu geben. Anders ist es, wenn wir den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus (und zurück nach Jerusalem) folgen. Dann bekommen wir erstaunliche Antworten auf ungeahnte Fragen. Mit der Bibel im Ohr (Lk 24,13-35) folgen wir den beiden Männern am Ostermontag über fünf Stationen durch den Kirchenraum.

 

Diesen Weg sind Pfr. Ludwig Thon und ich am Ostermontag 2019 durch die Dobler Kirche gegangen; Catherine Burmester war der Wanderer. Die Wegbeschreibung durch den Kirchenraum ist kursiv gesetzt.

Erste Station am Kreuz: Verlorene Hoffnung

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk; ...

Dobler Kirche, Kreuz

Die beiden Männer haben gesehen, wie Jesus am Kreuz hingerichtet wurde. Mit Jesus haben sie ihre Hoffnung auf Erlösung begraben. So gehen sie zurück in ihr altes Leben, in das Dorf, aus dem sie aufgebrochen sind. Dass einige Frauen sagen, er sei auferstanden, hat sie nur weiter verunsichert.

 

Choral "O Welt sieh her dein Leben"
(Evangelisches Gesangbuch 84, 1+2)

 

Pfarrer treten hinter den Altar zum Kreuz; von dort gehen sie während des Gesangs in einer großen Schleife um den Taufstein herum zur Kanzel. Beim Taufstein gesellt sich schweigend ein Wanderer zu ihnen.

Zweite Station an der Kanzel: Auslegung der Heiligen Schrift

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! 26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? 27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.

Dobler Kirche, Kanzel

Da schließt sich ihnen ein Fremder an. Er scheint nicht Bescheid zu wissen über das, was die beiden so beschäftigt. Doch er weist sie auf "Mose und die Propheten" hin und erläutert ihnen so das Geschehen.

 

Choral "Du schöner Lebensbaum des Paradieses"
(EG 96, 1+2+6)

 

Während das Lied gesungen wird, gehen die Pfarrer und der Wanderer durch den Seitengang langsam nach hinten Richtung Ausgang.

Choral "Du schöner Lebensbaum des Paradieses" (EG 96)

Dritte Station an der Ausgangstür: Herr bleibe bei uns!

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. 29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

Dobler Kirche, Blick zum Ausgang

Als die beiden Männer abends am Ziel sind, scheint der Fremde weitergehen zu wollen. Die Männer laden ihn ein: "Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt." Der Fremde nimmt die Einladung an.

 

Kanon "Herr, bleibe bei uns" (EG 483)

 

Während des Kanons gehen die Pfarrer und der Wanderer durch den Mittelgang nach zum Altar.

Kanon "Herr, bleibe bei uns" (EG 483)

Vierte Station am Altar: Als er das Brot brach, erkannten sie ihn

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. 31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

Dobler Kirche, Altar

Merkwürdig: Obwohl die beiden Männer hier zu Hause sind, benimmt der Fremde sich wie ein Gastgeber; er "nahm das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen". Diese Geste öffnet den beiden Jüngern die Augen: Das ist ja Jesus!

 

Choral "Ich bin das Brot" (EG 587, 1-3)

 

Der Wanderer nimmt das Brot vom Altar, bricht es in zwei Teile, gibt es den beiden Liturgen und geht einfach wieder zurück zu seinem Platz in der Kirchenbank.

Fünfte Station auf dem Weg: Brannte nicht unser Herz?

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? 33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; 34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen. 35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.

Dobler Kirche, Weltleuchter

In dem Fremden erkennen sie den auferstandenen Jesus. Erst als er fort ist, merken sie es: Ohne Hoffnung sind sie aufgebrochen; doch seine Worte haben ihre Herzen entflammt. Nun verstehen sie das Geschehen! Sie können nicht in Emmaus bleiben, ihr altes Leben nicht wieder aufnehmen. Sie laufen nach Jerusalem zurück und verkündigen den Auferstandenen.

 

Lied "Er ist erstanden, Halleluja" (EG 116, 1-5)

 

Die Pfarrer gehen während des Liedes vom Altar nach hinten zum freien Platz unter der Empore; unterwegs bitten sie die Gottesdienstbesucher ihnen zu folgen. Alle bilden einen Kreis um den Weltleuchter. Die Gemeinde betet und empfängt den Segen.

 

Alle sind zu Osterbrot und Osterwein eingeladen!

Wir beten:

Herr, unser Gott, schreib uns die Osterfreude ins Herz, damit sie nicht verfliegt, wenn wir zurückkehren in unseren Alltag.

 

Wir wollen uns erinnern an die Trauer, mit der wir aufgebrochen sind. So trauern wir um die vielen Menschen überall auf der Welt, die in diesen Wochen durch die Viruserkrankung gestorben sind. Gib uns offene Augen und ein offenes Herz, den Kranken, den Sterbenden und ihren Angehörigen beizustehen.

 

Wir wollen uns erinnern an den Weg, den wir gegangen sind. Wir sind dankbar für den Weggenossen, der uns die Schrift aufgeschlossen, der unseren Blickwinkel verändert, der uns neue Zuversicht, neue Gewissheit geschenkt hat.

 

Wir sind dankbar für die Mahlgemeinschaft, mit diesem einen Weggenossen, der für uns zum auferstandenen Jesus geworden ist und mit den Weggenossen um uns herum.

 

Weil du, unser Gott, den Tod überwunden hast, müssen wir nicht in Trauer versinken, wenn wir unsere Lieben begraben.

 

Spiel uns ins Ohr das Lied vom Leben, das du neu erschließt, damit wir Hoffnung ausbreiten, wenn wir Verzweifelten begegnen. O Herr, lass das Licht des Ostertages die Schatten von Gewalt und Sinnlosigkeit vertreiben.

 

Amen

Lied "Er ist erstanden, Halleluja" (EG 116)

Den Auferstandenen erkennen

Nicht am Aussehen erkennen die Jünger den Auferstandenen. Im Sakrament und bei der Schriftauslegung erfahren sie: Er ist nicht tot, Jesus lebt! Wer wurde also für diese Jünger zum Auferstandenen? Wer wird für uns zum auferstandenen Jesus?

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit mit Osterfreude in die kommenden Tage; denn:

Der Herr ist auferstanden,
Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Pfr. Matthias Ahrens, Idee: Pfr. Ludwig Thon

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