An Stelle des Konfirmationsgottesdienstes am 26. April 2020

Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

An diesem Sonntag wollten sieben Jugendliche aus Neusatz und Rotensol in der Auferstehungskirche Neusatz die Konfirmation feiern. Das Konfirmandenabendmahl am Tag davor haben sie schon seit Anfang des Jahres geplant. Der Wochenspruch gibt das Thema vor:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.

 

Die Konfirmation in Neusatz (wie die am 10. Mai die in Dobel) muss verschoben werden. Eine volle Kirche ist nicht mit dem Abstandsgebot vereinbar.

 

Aber wenigstens will ich in dieser Andacht an die Konfirmation erinnern und das Thema aufnehmen "Der Herr ist mein Hirte".

 

Choral "Der Herr ist mein getreuer Hirt" (Evangelisches Gesangbuch 274,1)

"Der Herr ist mein Hirte" - Wir beten mit den Worten von Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Amen

Choral "Zum reinen Wasser er mich weist" (EG 274,2)

"Der Herr ist mein Hirte" - ... da ist alles drin!

"Der Herr ist mein Hirte" -  Das klingt so selbstverständlich, so vertraut …


Ältere Gemeindeglieder kennen Psalm 23 ohnehin. Doch auch Kinder und Jugendliche lernen dieses Bekenntnis zum guten Hirten schon in der Schule auswendig.

 

"Der Herr ist mein Hirte" – Das klingt so selbstverständlich, so vertraut. Doch dieser kurze Satz hat es in sich, denn er fasst unseren Glauben zusammen. Das Psalmwort drückt aus, worum es bei der Konfirmation geht. Gehen wir die wenigen Worte mal durch:

 

 

- Der Herr ist mein Hirte -

 

Im Namen des Herrn, im Namen des dreieinigen Gottes sind die Jugendlichen, die zur Konfirmation kommen, getauft. Herr meint hier nicht die Anrede von Männern. Herr im Unterschied zum Knecht trifft es schon eher ...

 

Zuerst einmal ist Gott der Herr. Genauer: Eigentlich ist der Name unseres Gottes unaussprechlich; der besteht im Hebräischen aus vier Buchstaben, die kein richtiges Wort ergeben: JHWH. "Jehova" haben frühere Zeiten diesen Namen aussprechbar machen wollen (bis heute gibt es die "Zeugen Jehovas"). "Adonaj" sagen die Juden, wenn sie in der Hebräischen Bibel den unaussprechlichen Gottesnamen lesen. Und das heißt übersetzt: Herr.

 

Herr, so wurde und wird auch Jesus angesprochen. Der "ungläubige" Thomas, nachdem er seine Hand in die Wunde des auferstandenen Jesus legen durfte, bekennt: Mein Herr und mein Gott! (siehe die Andacht vom 19. April hier).

 

Wenn wir Gott als Herr ansprechen, wenn wir Jesus als Herr ansprechen, dann ist klar: Wir sprechen wir nicht von irgendeiner Macht, irgendeinem Gott, irgendeinem Helden. Dann sprechen wir vom dreieinigen Gott der Bibel, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

- Der Herr ist mein Hirte -

 

Udo Lindenberg + Stefanie Kloß (Quelle: youtube)

Nur nicht festlegen, abwarten. "Ich lieb' dich nur ein bisschen, aber nicht zu viel", singen Udo Lindenberg und Stefanie Kloß (sie meinen es allerdings ironisch). Das gibt es. Kennst du das auch? Ich bleibe cool. Wer weiß, was noch kommt. Nachher verpasse ich etwas.

 

Wer diesen Psalm spricht, legt sich fest. Nicht: es könnte sein. Nicht: mal sehen, vielleicht. Nicht: Ich könnte es ja mal mit diesem Gott probieren. Sondern: Der Herr ist mein Hirte. Jetzt. Ganz. Ich verlasse mich auf diesen Herrn.

 

- Der Herr ist mein Hirte -

 

Naja, ich lebe halt in einem evangelischen Ort, in einer evangelischen Familie. Früher bin ich zur Kinderkirche gegangen. In der Schule habe ich evangelischen Religionsunterricht. Und jetzt lasse ich mich eben konfirmieren, wie die anderen evangelischen Jugendlichen auch. Bei der Taufe haben die Eltern und Paten für mich gesprochen, haben sie an meiner Stelle den Glauben bekannt.

 

Doch jetzt ist dein Wort gefragt. Es muss nicht alles weiterlaufen, wie die Eltern es angefangen haben. Es wird nicht so weiterlaufen. In der Konfirmation ist dein Wort gefragt. Du sprichst für dich selbst.

 

Ja, so ein Psalm ist ein sehr altes Gebet. Nicht nur deine Eltern kennen es und deine Großeltern und Urgroßeltern und so weiter. Mehr als zweieinhalbtausend Jahre alt ist der Psalm. Aber jetzt geht es um dich. Du sprichst dieses Psalmwort, du selbst, ganz persönlich: Der Herr ist mein Hirte.

 

- Der Herr ist mein Hirte -

 

Der gute Hirte (Bernbacher Kirche)

Ja, bin ich denn ein Schaf? Bin ich blöd? Brauche ich jemanden, der mich hütet? Nein, du bist nicht blöd. Doch ja, du brauchst jemanden – wir alle brauchen jemanden, der uns behütet. Schaf und Hirte – das ist ein besonderes Verhältnis. Jesus beschreibt das so:

 

Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, … (Lukas 15,4-5)

 

Und es heißt eben: Der Herr ist mein Hirte. Gott behütet mich. Das ist etwas anderes als die Sorge der Eltern oder der Lehrer.

 

Wer konfirmiert wird, tritt in eine lange Tradition ein, die Tradition der evangelischen Konfirmation, die alte Tradition der Kirche, die noch ältere Tradition der Bibel. Aber wer zur Konfirmation geht, wer den ersten Psalmvers betet "Der Herr ist mein Hirte", der tut einen bewussten Schritt, der tut das als eigenständige Person.

 

Nun werden die Jugendlichen nicht an diesem Sonntag konfirmiert. Und wenn sie konfirmiert werden – wann genau, das wissen wir noch nicht – dann wird es nicht um den guten Hirten gehen. Aber wer das Psalmwort sagt "Der Herr ist mein Hirte", wer es bewusst und persönlich sagt – der hat damit ausgedrückt, worum es bei der Konfirmation geht.

 

Amen

Choral "Ob ich wandert' im finstern Tal" (EG 274,3)

Wir beten:

Herr, unser Gott.

Du bist der Hirte, von dem es heißt: "Er führet mich auf rechter Straße".

Wir bitten dich: Begleite uns auf allen Straßen unseres Lebens.

Sei du uns Weggefährte und Wegweiser, damit wir Wege beschreiten, die zum Frieden führen.

Nimm du uns bei der Hand wie eine Mutter ihr Kind, damit wir auf unseren Lebenswegen nicht mutterseelenallein sind.

 

Herr, unser Gott.

Du bist der Hirte, von dem es heißt: "Dein Stecken und Stab trösten mich".

Wir bitten dich: Richte uns auf, wenn Kummer unsere Lebensfreude erstickt.

Sei du uns Stecken und Stab, damit wir einen Halt haben, wenn wir fallen.

Nimm uns in die Obhut deiner Liebe, damit wir auch in den finsteren Tälern unseres Lebens nicht mutlos werden.

 

Herr, unser Gott.

Du bist der Hirte, von dem es heißt: "Du bereitest vor mir einen Tisch".

Wir bitten dich: Gib uns unser tägliches Brot heute und in Zukunft.

Sei du uns Schöpfer und Erhalter, damit wir uns dankbar am Tisch des Lebens niederlassen.

Nimm uns in die Pflicht, von unseren reichgedeckten Tischen abzugeben, damit auch andere Menschen die Fülle des Lebens genießen können.

 

... wir beten weiter, wie Jesus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

Choral "Du b’reitest vor mir einen Tisch" (EG 274,4+5)

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit behütet in die kommenden Tage; denn:

 

Der Herr ist mein Hirte!

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Pfr. Matthias Ahrens

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