Gottesdienst an Christi Himmelfahrt (21. Mai 2020)

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Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Eigentlich hätten wir ... Halt: so langsam mag ich nichts mehr lesen oder hören von Veranstaltungen, die wegen der Corona-Krise ausfallen müssen.

 

Aber einen Gottesdienst im Grünen wollten wir am Himmelfahrtstag doch feiern. Wenn schönes Wetter ist - was wir hoffen -, brennt einem auf der Wiese hinter der Kirche in Neusatz die Sonne auf den Kopf. Da findet man auf dem Platz hinter dem Dietrich-Bonhoeffer-Saal in Rotensol schon eher Schatten ...

 

Die Gottesdienste nach Infektionsschutzbestimmungen begeistern niemanden. Ohne zu singen, mit Mund-Nasen-Bedeckung, zwei Meter voneinander entfernt, wenig Kontakt - das ist ein Gerippe von Gottesdienst. Aber Jammern gilt nicht. Mal sehen, ob uns nicht doch noch etwas einfällt ...

 

So lange, wie noch nicht alle, die wollen, auch persönlich in die Kirche kommen mögen, stelle ich weiter eine Andacht zur Verfügung, im Internet und auf Papier.

"Du hast uns, Herr, gerufen" (Evangelisches Gesangbuch 168)

Wir beten:

Herr Jesus Christus:

 

Du bist zum Himmel aufgefahren, hören wir. Wir versuchen, das zu begreifen:

Der Himmel steht offen – und zugleich zeigst du uns die Erde.

Du bist bei Gott – und zugleich bist du uns nah.

Du hältst Himmel und Erde in deinen Händen – und zugleich hältst du auch uns.

 

Wir bitten um deinen Geist, damit dein Wirken zwischen Himmel und Erde
unser Leben bestimmt.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.

 

Amen

"Ausgang und Eingang" (EG 175)

Rauf und runter - kreuz und quer

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

 

Wenn der Pfarrer schon so anfängt, mit diesen alten Worten, mit diesen Worten, die niemand heute so gebraucht und die kaum jemand richtig versteht – wenn der Pfarrer schon so anfängt, mit seinem schwarzen Kleid, diesem Gelehrtenrock der Renaissancezeit – wenn der Pfarrer schon so anfängt: Können wir da etwas Aufregendes erwarten, etwas Neues, etwas Ungehörtes? Ist die Kirche nicht stolz darauf zu verkündigen, was schon seit langer Zeit, was schon seit einigen tausend Jahren gesagt ist? Lehrt die Kirche nicht Gebote und Regeln aus längst vergangenen Tagen, die für heute gar nicht mehr passen, die für heute keine Bedeutung haben?

 

 

"Rauf und runter – kreuz und quer" – so läuft das Wort Gottes in dem Lied, das wir im Kindergarten singen. "Das Wort von Gott läuft um die Welt, rauf und runter – kreuz und quer". Und das Wort Gottes läuft nicht nur die Welt rauf und runter, kreuz und quer über die Welt – nein: das Wort von Gott kann auch unser Leben durcheinanderbringen – "rauf und runter – kreuz und quer", wenn Gottes Geist weht und wir ihn lassen.

 

Und überhaupt: das Lied passt auch gut in eine Zeit, in der wir im Gottesdienst nicht singen dürfen. Denn das Lied "Das Wort von Gott läuft um die Welt" kann man auch … ja was? … kann man auch … ja: darstellen ohne zu singen. Grundschulkinder in Ottenhausen haben sich die entsprechenden Bewegungen ausgedacht. Und mit ihren Bewegungen können wir das Lied darstellen, ohne zu singen. Versuchen wir es also:

 

//: Das Wort von Gott läuft um die Welt

Rauf und runter - kreuz und quer ://

//: Von vorne nach hinten, von links nach rechts ://

 

"Rauf und runter – kreuz und quer" – das Wort Gottes läuft nicht nur die Welt rauf und runter, kreuz und quer über die Welt – nein: das Wort von Gott kann auch unser Leben durcheinanderbringen – "rauf und runter – kreuz und quer", wenn Gottes Geist weht und wir ihn lassen.

 

 

Christi Himmelfahrt im Georgsdom, Limburg

Christi Himmelfahrt zum Beispiel – da geht es "rauf und runter - kreuz und quer". Von Christi Himmelfahrt lesen wir schon zweimal im Neuen Testament. Das ist nicht unbedingt etwas Besonderes; denn Vieles lesen wir zweimal, dreimal oder gar viermal im Neuen Testament. Wie wir beten sollen, das "Vaterunser" lesen wir zweimal, bei den Evangelisten Matthäus und Lukas. Oder als Jesus die Schwiegermutter von Petrus heilt, das finden wir dreimal im Neuen Testament, nämlich bei Matthäus, bei Markus und bei Lukas. Und von Jesu Leiden, Kreuzigung und Tod lesen wir in allen vier Evangelien.

 

Aber mit der Himmelfahrt ist es anders. Von der berichtet der Evangelist Lukas gleich zweimal: einmal am Ende des Evangeliums und dann zu Beginn der Apostelgeschichte (Apg 1,1-14).

 

Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. (Lk 24,50-53)

 

Einmal ist die Himmelfahrt also ein Abschluss, dann wieder ein Anfang! "Kreuz und quer" – nicht schön geordnet, mal so mal so. Mit der Himmelfahrt endet für den Evangelisten Lukas Jesu Zeit auf der Erde. Von Advent bis Himmelfahrt reicht das, was Lukas über Jesus erzählt: Er fängt an mit der Erwartung, mit der unerwarteten Schwangerschaft der alten Elisabeth. Sie wird Mutter von Johannes, dem Täufer. Dann berichtet er, wie Maria ein Kind erwartet, ohne dass ein Mann im Spiel war. Im Stall von Bethlehem wird Jesus geboren … Ich erzähle nicht alles, was dann kommt – das kennen Sie, das kennt ihr – und wer es nicht kennt, wird es lernen. Jedenfalls erfahren die Jünger am Ende des Evangeliums: Jesus ist nicht bei den Toten geblieben, Jesus ist auferstanden! Doch es wird nicht wieder, wie es vor der Kreuzigung war. 40 Tage lang verkehrt der Auferstandene noch mit seinen Jüngern, sagt er ihnen noch, was zu sagen ist. Und dann fährt er in den Himmel auf. Damit endet die Zeit Jesu auf Erden. Punkt.

Evangelist Lukas Deesis Ikone 14 Jh.

In der Apostelgeschichte berichtet derselbe Evangelist Lukas, wie das Wort von Gott durch die Welt läuft – es zuckt Sie sicher wieder in den Beinen: "rauf und runter, kreuz und quer" – naja: die Apostelgeschichte berichtet davon, wie das Wort von Gott durch das Römische Reich lief. Wie die Jünger – die nun ohne Jesus auskommen mussten – wie die begeistert wurden und mutig und beim Wochenfest auch anderen Menschen von Jesus erzählten (das kriegen wir nächste Woche). Wie die Christengemeinde wuchs, wie sie sich organisierte. Wie sie Rückschläge erleiden musste: Stephanus und Jakobus, prominente Vertreter, wurden zu Tode gesteinigt. Wie ein ganz unerwarteter Bündnispartner dann anbot, das Evangelium von Jesus in die weite Welt zu tragen: der Apostel Paulus. Auch hier erzähle ich nicht alles, was dann kommt – das kennen Sie, das kennt ihr – und wer es nicht kennt, wird es lernen. Himmelfahrt ist Ende und Anfang, hier schließt etwas ab und zugleich fängt etwas Neues an. Hier geht es "kreuz und quer".

 

Und "rauf und runter" erst recht! Klar: Himmelfahrt, das klingt nach einem Aufzug, da geht es nach oben. Aber die Jünger kriegen keinen steifen Hals, weil sie so lange nach oben schauen. Nein, sie blicken bald wieder um sich. Da stehen nämlich unbekannte Männer bei ihnen und fragen etwas spöttisch:

 

Was steht ihr da und seht gen Himmel? (Apg 1,11)

 

Hier auf der Erde ist euer Ort. Jesus – der wird schon wiederkommen, wenn es Zeit ist. Solange habt ihr hier auf der Erde zu tun. Sie gehen in den Tempel und preisen Gott – so erfüllt sind sie von dem, was sie mit Jesus erlebt haben. Und sie bleiben beieinander. Später müssen sie dann die Gemeinde organisieren und Geld verdienen …

 

"Rauf und runter – kreuz und quer" – so läuft das Wort von Gott nicht nur um die Welt. Mit so etwas muss auch rechnen, wer sich zu Jesus und zu seiner Gemeinde hält. Da kommen oben und unten, da kommen auch Ende und Anfang schon mal durcheinander. Da können alte Frauen noch Kinder kriegen und junge Frauen ohne einen Mann. Da geben betrügerische Zolleinnehmer ihren ergaunerten Gewinn ab und schließen sich einem Wanderprediger an. Da werden Fischer Missionare und Gemeindeleiter. Da sagt ein römischer Soldat über einen jüdischen Gekreuzigten:

 

Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! (Lk 23,47)

 

Und da erklärt ein fremder Wanderer zwei Jüngern, weshalb es so kommen musste mit Jesus (siehe hier).

 

"Rauf und runter – kreuz und quer" – Wer mit Jesus lebt, hat keine Garantie für ein ruhiges Leben. Da läuft es nicht so, wie es schon immer war – trotz der vielen alten Worte, trotz der alten Gelehrtenröcke, trotz der jahrtausendealten Geschichten. Gott verspricht seinem Volk nicht, dass es immer bleibt, wie es schon immer war. Vielmehr schickt Gott sein Volk von je her auf Wanderschaft, ruft er von je her zum Aufbruch. Gott verspricht seinem Volk nicht, dass es immer bleibt, wie es schon immer war. Gott verheißt seinem Volk Segen und Heil. Darauf gehen wir – das glauben wir – zu. Und auf diesem Weg geht es "rauf und runter, kreuz und quer".

 

Amen

"Das Wort von Gott läuft um die Welt"

https://www.youtube.com/watch?v=wlPIg4GxyG0

Wir beten:

Herr Jesus Christus.

 

Wir hören, du bist aufgefahren in den Himmel; wir bekennen, du bist aufgefahren in den Himmel. Der scheint weit weg zu sein. Doch zugleich bist du uns nah, zugleich hältst du uns.

Lass uns danach leben, dass wir im Großen das Kleine sehen und im Kleinen das Große, dass wir im Hohen das Niedrige sehen und im Niedrigen das Hohe, dass wir dich im Himmel anbeten und auf Erden deinen Spuren folgen.

 

Wir hören, du sitzt zur Rechten Gottes; wir bekennen, du sitzt zur Rechten Gottes. Das scheint weit weg zu sein. Doch du bist wahrer Mensch und wahrer Gott.

Lass uns danach leben, dass wir Gottes Ehre auch in deinem Leiden erkennen und im Leiden auch Gottes Ehre, dass wir unsere menschlichen Angelegenheiten und die Angelegenheiten Gottes nicht in eins setzen, aber auch nicht voneinander trennen, dass wir Mensch und Gott unterscheiden und doch wissen, dass wir Menschen auf Gott angewiesen sind.

 

Wir bitten dich: erhöre uns!

 

... wir beten weiter, wie du selbst uns gelehrt hast:

 

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit zuversichtlich in die kommenden Tage:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Pfr. Matthias Ahrens