Gottesdienst an der Neusatzer Pfütz (28. Juni 2020)

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Wir verteilen Ausdrucke dieser Andacht an Gemeindeglieder, die keinen Internetzugang haben. Wissen Sie jemanden, der das Blatt haben möchte? Dann teilen Sie uns das gern mit.

Im Namen des dreieinigen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen

Der dreieinige Gott (Kirche Dobel)

Bei diesem Gottesdienst im Grünen stellen die Jugendlichen aus Dobel, aus Neusatz und aus Rotensol, die 2021 konfirmiert werden wollen, sich vor. Über dem Gottesdienst steht heute eine Frage:

 

Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

 

Am vergangenen Mittwoch war Johannis-Tag, Mittsommer. Im Gottesdienst nehme ich diese Frage auf, die Johannes der Täufer Jesus stellen lässt (mehr dazu unten).

 

Die Frage zu stellen und die Antwort zu finden – das soll die Jugendlichen im Jahr bis zur Konfirmation – das soll Euch Konfis bestimmen. Doch nicht nur die Konfis; auch andere Gemeindeglieder können sich diese Frage stellen.

 

Was meint Ihr, was meinen Sie: Ist Jesus der, der kommen soll?

"Manchmal kennen wir Gottes Willen" (Evangelisches Gesangbuch 626,1)

Wir beten:

Lieber Gott, ich möchte vieles sehen und erleben. Manchmal habe ich Angst, dass ich zu kurz komme, dass ich mein Leben nicht so leben kann, wie ich es gern möchte.

 

Wem kann ich mich anvertrauen? Wer nimmt mich ernst? Wer versteht mich?

 

Lass mich nicht allein, Gott. Lass Menschen um mich sein, mit denen ich reden kann, die meine Fragen aufnehmen.

 

Lass mich dorthin gelangen, wo ich Antworten finde.

 

Kannst du, Gott, mich leiten? Ich bitte dich!

 

Amen

"Manchmal sehen wir Gottes Zukunft" (EG 626,2)

... etwas, wo eigentlich alles feststeht?

Für Jugendliche, für euch Konfirmanden, aber auch für viele Erwachsene ist der christliche Glaube, ist vor allem die Kirche etwas, wo eigentlich alles feststeht:

 

  • Die Bibel ist ein dickes altes Buch, darin stehen die Zehn und noch viel mehr Gebote …
  • Das Gesangbuch ist ein dickes Buch, das es – zumindest aus der Sicht von Euch Konfis – seit einer Ewigkeit gibt; es wurde 1996 eingeführt
  • Das Glaubensbekenntnis
  • Das Vaterunser
  • Der Gottesdienst, dessen Ablauf alten Traditionen folgt …

 

Für Jugendliche, aber auch für viele Erwachsene ist der christliche Glaube, ist vor allem die Kirche etwas, wo eigentlich alles feststeht. Und viele finden das gut so. Wo die ganze Welt sich so rasch zu verändern scheint, soll doch die Kirche, soll der christliche Glaube für Beständigkeit stehen. Dauerhafte Werte soll die Kirche vermitteln.

 

Es steht aber nicht alles fest, nicht in der Kirche und nicht im christlichen Glauben. Die Gebote, die Lieder und auch die Jesusgeschichten gibt es zwar seit langer Zeit. Aber ob sie uns im Leben helfen, das ist nicht ausgemacht, das muss sich immer neu, in jeder Generation neu, in jedem Leben neu erweisen.

 

Deshalb habe ich eine Frage über diesen Gottesdienst gestellt, keine Aussage, kein Gebot, sondern eine Frage:

 

Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? (Mt 11,2)

 

 

Mathis Grünewald – Johannes der Täufer (Isenheimer Altar)

Johannes war ein berühmter Prediger, er lebte ein einfaches Leben, außerhalb von Städten und Dörfern, zwischen der Wüste und dem Fluss Jordan. Er aß Heuschrecken und wilden Honig. Wie viele andere wartete Johannes auf den Messias, den Gesandten Gottes. Der sollte alle Ungerechtigkeit beseitigen und die Menschen auf den rechten Weg führen. Auf diesen Messias wollte Johannes die Menschen vorbereiten.

 

Wie manche anderen dachte er dabei an Jesus. Sie kannten sich gut, sie waren entfernt verwandt, und Johannes hatte Jesus getauft. Aber er war nicht sicher. Wenn Jesus der Gesandte Gottes ist, dachte er, dann müsste man das doch merken. Dann müssten die großen Veränderungen doch sichtbar werden. Nun saß Johannes im Gefängnis. Der König Herodes hatte ihn verhaften lassen, weil Johannes den König öffentlich kritisiert hatte.

 

Jetzt wollte Johannes es wissen. Er schickte einige seiner Jünger zu Jesus. (Nicht nur Jesus sammelte Jünger um sich. Damals wie heute schließen Leute, die Orientierung für ihr Leben suchen, sich starken Gestalten an.) Johannes schicke einige seiner Jünger zu Jesus und ließ ihn fragen:

 

Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

 

„Sollen wir auf einen anderen warten“ – dieses Wir macht schon deutlich, dass nicht nur Johannes sich diese Frage stellte. Auch seine Jünger wollten es wissen.

 

Bist du – Jesus –, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

 

 

Diese Frage gebe ich euch Konfis mit auf den Weg. Diese Frage möchte ich mit euch in den Monaten bis zur Konfirmation besprechen. Erst einmal müssen wir uns klar werden: Worauf wartest du überhaupt – du persönlich? Worauf wartet Ihr – ihr als Jugendliche hier im Nordschwarzwald? Erst wenn ich weiß, worauf ich warte, kann ich auf den anderen zugehen und ihn fragen: Bist du es?

 

Und dann: Johannes kannte Jesus gut, er wusste, wen er fragte, er wusste, an wen er seine Erwartungen richtet. Ihr müsst und dürft fragen: Wer bist du überhaupt, Jesus? Das Kind in der Krippe, der gute Hirte, der Prediger, der Heiler, der Gefangene, der Gerkeuzigte, der Auferstandene? Wer ist Jesus für mich? Das müsst ihr fragen, das dürft ihr fragen.

 

Das dürft ihr fragen – und das dürfen auch alle anderen Jugendlichen, das dürfen alle Erwachsenen fragen. Diese Frage ist nicht ein für alle Mal zu beantworten; die stellt man sich immer neu, das ganze Leben über.

Jesus an der Kanzel der Gaisburger Kirche, Stuttgart

Bei der Konfirmation werdet ihr mehr wissen über Jesus, über den christlichen Glauben und über die Kirche. Aber anders als im Religionsunterricht wird bei der Konfirmation niemand euer Wissen testen wollen, bekommt ihr keine Note. Am Ende der Konfirmandenzeit, bei der Konfirmation geht es vielmehr um deine persönliche Antwort auf die Frage:

 

Bist du – Jesus –, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

 

Bei der Konfirmation geht es um deine persönliche Antwort auf die Frage. Bei denen, die schon als kleines Kind getauft wurden, haben damals die Eltern Ja gesagt. In weniger als einem Jahr sollst du entscheiden, ob du dieses Ja deiner Eltern bestätigst, bekräftigst – nichts anderes heißt Konfirmation – … ob du das Ja deiner Eltern bestätigst oder nicht.

 

Und ihr, die ihr noch nicht getauft seid, steht ganz grundsätzlich vor dieser Frage. Wenn ihr euch taufen lasst, werdet ihr dieses Ja ganz persönlich sprechen.

 

Ihr alle steht vor der Frage; und die Frage kann man mit Ja und mit Nein beantworten. Ja, Jesus ist der, auf den wir gewartet haben, mit dem wir durchs Leben gehen wollen. Oder nein, ich warte lieber auf eine andere Person, die mein Leben bestimmen soll. Du bist frei zu entscheiden, wie du antworten willst. Aber du sollst deine Entscheidung nach reiflicher Überlegung treffen, nachdem du dich schlau gemacht hast – persönlich und mit anderen:

 

Wer bist du, Jesus? Das Kind in der Krippe, der gute Hirte, der Prediger, der Heiler, der Gefangene, der Gekreuzigte, der Auferstandene? Wer kannst du, Jesus, für mich sein?

 

Es steht nicht alles fest, nicht in der Kirche und nicht im christlichen Glauben. Die Gebote, die Lieder und auch die Jesusgeschichten gibt es zwar seit langer Zeit. Aber ob sie uns im Leben helfen, das ist nicht ausgemacht, das muss sich immer neu, in jeder Generation neu, in jedem Leben neu erweisen.

 

Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

 

Jesus antwortet den Johannesjüngern, die ihn fragen:

 

Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. (Mt 11,4-6)

 

„…, was ihr hört und seht“ Schaut genau hin, sagt Jesus, und dann entscheidet euch. Ob alle Jünger die Frage mit Ja beantwortet haben? Ob einige dann doch nicht überzeugt waren von Jesus? Darüber sagt das Neue Testament nichts. Aber die Frage, die ist bis heute überliefert. Deshalb könnt ihr – deshalb können alle anderen diese Frage mitnehmen:

 

Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

 

Wir werden der Sache nachgehen. Und im nächsten Frühjahr werdet Ihr eine Antwort geben.

 

Amen

"Manchmal spüren wir Gottes Liebe" (EG 626,3)

Wir beten, wie Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.

"Manchmal wirken wir Gottes Frieden" (EG 626,4)

Geht hin ...

Auferstehungskreuz Neusatz

... geht trotz aller Unsicherheit zuversichtlich in die kommenden Tage:

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

 

 

Pfr. Matthias Ahrens